Das Zentrum für sanften Tourismus

Eine gesunde und qualitative Umwelt ist die Grundbedingung für die Entwicklung des Tourismus dar, der zu einem der wichtigsten sozioökonomischen und kulturellen Phänomene der Gesellschaft unserer Zeit wird. Der Tourismus kann zu einer solchen Entwicklung beitragen, die das Landschaftsbild und die -funktionen stabilisiert, die kulturelle Identität und die sozialen Bindungen der örtlichen Gemeinschaften stärkt, und er hat einen positiven Einfluss auf die örtliche Wirtschaft (insbesondere in wirtschaftlichen Randgebieten). Andererseits kann der Tourismus eine räumliche, qualitative und soziale Degradation der Gebietes, in dem er sich entwickelt, hervorrufen und ggf. diese Degradation potenzieren. Das führt in seiner Konsequenz häufig zu einer Minderung der biologischen, soziokulturellen und wirtschaftlichen Vielfalt. Deshalb sucht das Ministerium für Umwelt gemeinsam mit dem Ministerium für Regionalentwicklung und weiteren kompetenten Institutionen Formen, wie die Entwicklung des Tourismus in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann, um die ungünstigen negativen Einflüsse zu reduzieren und die positiven Wirkungen auf die Umwelt zu potenzieren.

Ein langfristiges Vorhaben des Ministeriums für Umwelt besteht darin, die Entwicklung des Tourismus insbesondere in Schutzgebieten systematisch zu beeinflussen, so dass die negativen Einflüsse des Tourismus auf die örtlichen Ökosysteme, das Landschaftsbild und das Leben der ortsansässigen Bevölkerung minimiert werden. Die Schlüsselaktivitäten des Ministeriums auf diesem Gebiet liegen in der Vorbereitung des Entwurfs der „Grundsätze der sanften Entwicklung des Tourismus“ und in der Entwicklung eines Zertifizierungssystems der Nachhaltigkeit des Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Regionalentwicklung.

Bedeutsame Schritte im Prozess der Nachhaltigkeit des Tourismus werden der schrittweise Beitritt der tschechischen Schutzgebiete zur „Europäischen Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten“ und die Schaffung des Status eines spezialisierten Führers des Studientourismus in besonders geschützten Gebieten unter der Kontrolle der Verwaltungen dieser Gebiete. Großes Gewicht wird auch auf den Entwurf und die Einführung eines funktionierenden Systems der ständigen und beiderseitigen Kommunikation der Verwaltungen der Schutzgebiete mit Vertretern aller Schlüsselakteursgruppen in den Schutzgebieten gelegt.

Zur Vereinfachung der Realisierung der oben genannten Vorhaben wurde das Nationale Zentrum für sanften Tourismus (Abkürzung im Tschechischen NCŠT) geschaffen, das sich an der Entstehung und Koordinierung der regionalen Bezirkszentren für sanften Tourismus (Abkürzung im Tschechischen KCŠT) beteiligen soll. Diese Zentren werden vor allem deshalb gegründet, damit es in allen Bezirken eine Institution gibt, die die Aspekte des Umweltschutzes und sozioökonomische Aspekte der Entwicklung des Tourismus integriert, und zwar im Hinblick auf die Spezifika des Gebietes des jeweiligen Bezirkes. Das zentrale Ziel dieser Zentren besteht darin, den jeweiligen Bezirk bei der Planung und Umsetzung von langfristig wirtschaftlich vorteilhaften und sanften Produkten des Tourismus mit lokalem und (mikroregionalem) Charakter zu unterstützen.

Die Schaffung des Netzes der Zentren für sanften Tourismus ist eines der Ziele der gegenwärtigen staatlichen Umweltpolitik (2004) im Rahmen des Kapitels 9 „Regionalentwicklung, Dorferneuerung und Tourismus“, das darin besteht, ein „Netz von regionalen Zentren für sanften Tourismus in Koordinierung durch das Nationale Zentrum für sanften Tourismus zur umweltfreundlichen Gestaltung des Tourismus sowie zur methodischen und praktischen Unterstützung zu schaffen“.

Das Hauptanliegen der Schaffung dieses Netzes besteht darin, systematisch eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in den Bezirken zu erzielen bzw. die Firmen und Einrichtungen in den Bezirken bei der Anwendung der Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung bei der Planung und Umsetzung der Tourismuskonzeptionen zu unterstützen.

Die Bemühungen um einen sanften Tourismus hinsichtlich der Natur und der kulturellen Werte des Gebietes sind derzeit von vereinzelten und mehr oder weniger zersplitterten Bemühungen von sehr engagierten Einzelpersonen oder Institutionen abhängig. Diese Personen und Einrichtungen müssen unterstützt und weiter motiviert werden, ggf. ist die weitere Vorgehensweise abzusprechen, ihre Bemühungen müssen koordiniert (zusammengeführt) werden, und es muss öffentlich auf ihre Herangehensweise und die Ergebnisse als Musterbeispiele für die Entwicklung des Tourismus in dem jeweiligen Bezirk verwiesen werden. Aus den oben genannten Gründen muss an die Durchsetzung und Unterstützung der Nachhaltigkeit des Tourismus auf dem Gebiet der Bezirke koordiniert vorgegangen werden – die Aktivitäten der staatlichen Verwaltung, der territorialen Selbstverwaltung sowie die Aktivitäten von Fachbehörden und Privatpersonen müssen in einem maximalen Maße abgestimmt werden. Die nachhaltige Entwicklung des Tourismus der Gebiete sollte konzeptionell und systematisch so sichergestellt werden, dass es nicht zu stoßweisen, zersplitterten Bemühungen hinsichtlich der Gewinnung von finanziellen Mitteln kommt und dass parallel laufende (weniger effektive) Bemühungen vermieden werden.

Zur Zeit gibt es bereits das von der gemeinnützlichen Gesellschaft Neiße betriebene Nationale Zentrum für sanften Tourismus, das in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Liberec und unter methodischer Anleitung des Ministeriums für Umwelt als Pilotprojekt das Ausführungsprojekt des Liberecer Zentrums für sanften Tourismus vorbereitet hat. Derzeit wird über die Vorbereitung des Zentrums für sanften Tourismus des Bezirkes Südböhmen verhandelt.


Das für die Regierung bestimmte Material einschließlich des Vertrages über die Beauftragung mit der Leitung des Nationalen Zentrums für sanften Tourismus wurde Ende des Jahres 2004 genehmigt..